
Zu ihrer 27. Jahrestagung vom 22. bis 24. Mai 2006 in Mannheim konnte die DAG SHG rund 130 Fachkräfte aus örtlichen Selbsthilfekontaktstellen sowie Vertreter/innen von Selbsthilfeorganisationen, Krankenkassen, Reha-Kliniken und Krankenhäusern begrüßen. Zum Thema "Selbsthilfekontaktstellen als Partner der gesundheitlichen Versorgung – Kooperation und Teilhabe" bot der Fachverband zur Selbsthilfeunterstützung eine Plattform für die Diskussion und den fachlichen Austausch über die Rolle von Selbsthilfekontaktstellen als Wegbereiter und Mittler zwischen der professionellen gesundheitlichen Versorgung und Selbsthilfegruppen.
Bärbel Handlos begrüßte in dreifacher Funktion (DAG SHG-Vorstandsmitglied, Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Selbsthilfekontaktstellen, Geschäftsführerin des Gesundheitstreffpunktes Mannheim) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte gleich zu Anfang die Kernfragen, die die Tagungsverlauf begleiten sollten:
- Was können Selbsthilfekontaktstellen tun, um besser mit Kliniken zusammenzuarbeiten?
- Selbsthilfegruppen erbringen immer mehr Dienstleistungen für Betroffene und für das Gesundheits- und Sozialsystem. Führt die Zusammenarbeit mit dem Versorgungseinrichtungen eher zu Vorteilen oder zu nachteiligen Entwicklungen für die Selbsthilfegruppen?
- Und was ist die Rolle der Selbsthilfekontaktstellen in diesem Spannungsfeld?
Die baden-württembergische Staatssekretärin Johanna Lichy bezeichnete in ihrem Grußwort sowohl die DAG SHG als auch die Selbsthilfekontaktstellen als unverzichtbare Akteure des Gesundheits- und Sozialwesens und gratulierte sowohl der DAG SHG als auch dem Gesundheitstreffpunkt Mannheim zu ihren 25jährigen Jubiläen. Die Idee, Selbsthilfegruppen als selbstverständliche Partner im medizinischen System zu verankern, bezeichnete Lichy als Langzeitprojekt. Sie führte aus, dass die Selbsthilfebewegung als klassischer Querschnittsbereich inzwischen sämtliche Bereiche der Familien-, Gesellschafts-, Gesundheits- und Sozialpolitik umfasst.
Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Baden-Württemberg und Frauenbeauftragte der Landesregierung
Krankenhaus und Selbsthilfe – wie das eine das andere beeinflussen kann
Im ersten Fachvortrag der Jahrestagung berichtete Dr. Lieselotte Franke von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt unter anderem über die Studie "Zusammenarbeit von Ärzten der ambulanten / stationären Versorgung und Selbsthilfegruppen", die in Sachsen-Anhalt unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Slesina von der Universität Halle-Wittenberg durchgeführt wurde. Die Ergebnisse hatten Erwartungen und Wünsche, die sowohl Selbsthilfegruppen als auch Ärztinnen und Ärzte an eine Zusammenarbeit hatten, deutlich gemacht. Ein Ergebnisbericht der Studie findet sich im Internet unter www.nakos.de.
Dr. Franke ging kurz auf die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu Besuchsdiensten im Krankenhaus durch Selbsthilfegruppen ein und empfahl, sowohl die Vorgehensweise des Projektes „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus” als auch die Ergebnisse der Slesina-Studie als Grundlagen der KTQ-Zertifizierung zu nutzen. (KTQ = Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen: Zertifizierungsverfahren zur Bewertung des Qualitätsmanagements unter anderem in Krankenhäusern; Informationen unter www.ktq.de)
Die Diskussion konzentrierte sich im Wesentlichen auf Möglichkeiten aber auch Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfe. Dr. Franke sah hier durchaus Potenziale und eine positive Entwicklung, in der auch zurzeit noch bestehende Probleme gelöst werden könnten. Sie wünschte sich von der Selbsthilfe eine Auseinandersetzung mit derzeitigen Veränderungen im Gesundheitswesen.
Im ersten Fachvortrag der Jahrestagung berichtete Dr. Lieselotte Franke von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt unter anderem über die Studie "Zusammenarbeit von Ärzten der ambulanten / stationären Versorgung und Selbsthilfegruppen", die in Sachsen-Anhalt unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Slesina von der Universität Halle-Wittenberg durchgeführt wurde. Die Ergebnisse hatten Erwartungen und Wünsche, die sowohl Selbsthilfegruppen als auch Ärztinnen und Ärzte an eine Zusammenarbeit hatten, deutlich gemacht. Ein Ergebnisbericht der Studie findet sich im Internet unter www.nakos.de.
Dr. Franke ging kurz auf die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu Besuchsdiensten im Krankenhaus durch Selbsthilfegruppen ein und empfahl, sowohl die Vorgehensweise des Projektes „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus” als auch die Ergebnisse der Slesina-Studie als Grundlagen der KTQ-Zertifizierung zu nutzen. (KTQ = Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen: Zertifizierungsverfahren zur Bewertung des Qualitätsmanagements unter anderem in Krankenhäusern; Informationen unter www.ktq.de)
Die Diskussion konzentrierte sich im Wesentlichen auf Möglichkeiten aber auch Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfe. Dr. Franke sah hier durchaus Potenziale und eine positive Entwicklung, in der auch zurzeit noch bestehende Probleme gelöst werden könnten. Sie wünschte sich von der Selbsthilfe eine Auseinandersetzung mit derzeitigen Veränderungen im Gesundheitswesen.
Tag 2: Der Arbeitsgruppentag
Der Arbeitsgruppentag war in diesem Jahr in zwei Abschnitte geteilt: vormittags fanden die Arbeitsgruppen statt. Mit dem neuen Element Open Space wagte das Organisationsteam nachmittags etwas Neues – und gewann: Die Neuerung wurde allgemein als Bereicherung empfunden.
Der Arbeitsgruppentag war in diesem Jahr in zwei Abschnitte geteilt: vormittags fanden die Arbeitsgruppen statt. Mit dem neuen Element Open Space wagte das Organisationsteam nachmittags etwas Neues – und gewann: Die Neuerung wurde allgemein als Bereicherung empfunden.
AG 1: Selbsthilfe trifft Krankenhaus – Beispiele für lebendige Zusammenarbeit
Moderation: Gabriele Becker, WIESE e.V., Essen
Anhand verschiedener Beispiele wurde die wachsende und systematischere Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Krankenhäusern in der Arbeitsgruppe verdeutlicht und sich ergebende Anforderungen und Perspektiven für beide Seiten diskutiert.
Moderation: Gabriele Becker, WIESE e.V., Essen
Anhand verschiedener Beispiele wurde die wachsende und systematischere Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Krankenhäusern in der Arbeitsgruppe verdeutlicht und sich ergebende Anforderungen und Perspektiven für beide Seiten diskutiert.
Dr. Ulrich Biechele, Gesundheitstreffpunkt Mannheim e.V., und Raimund Moll, Universitätsklinikum Mannheim
AG 2: Selbsthilfeunterstützung in der Praxis – Weiterentwicklung eigener Beratungskompetenz
Moderation: Theresa Keidel, SEKO Bayern; Marion Schutt, Heidelberg
Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten als Einzelkämpfer/innen in ihrer Selbsthilfekontaktstelle und haben aus mangelnden finanziellen Möglichkeiten keine regelmäßige Supervision. Kollegiale Beratung als Methode bietet gute Möglichkeiten, sich gegenseitig bei schwierigen Fällen aus der Praxis zu beraten und zu "intervidieren". In der Methodenwerkstatt wurde die Methode gemeinsam kennen gelernt und ganz konkret an Situationen aus der Praxis der Selbsthilfeutnerstützung in Selbsthilfekontaktstellen erarbeitet.
Moderation: Theresa Keidel, SEKO Bayern; Marion Schutt, Heidelberg
Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten als Einzelkämpfer/innen in ihrer Selbsthilfekontaktstelle und haben aus mangelnden finanziellen Möglichkeiten keine regelmäßige Supervision. Kollegiale Beratung als Methode bietet gute Möglichkeiten, sich gegenseitig bei schwierigen Fällen aus der Praxis zu beraten und zu "intervidieren". In der Methodenwerkstatt wurde die Methode gemeinsam kennen gelernt und ganz konkret an Situationen aus der Praxis der Selbsthilfeutnerstützung in Selbsthilfekontaktstellen erarbeitet.
AG 3: Selbsthilfe für Menschen mit psychischen Störungen
Moderation: Jürgen Matzat, Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Gießen
Welche Angebote und Hilfestellung die Selbsthilfe psychisch kranken Menschen und ihren Angehörigen machen kann und welche Rolle Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung wie Kliniken und Beratungsstellen dabei spielen können, wurde in der Arbeitsgruppe anhand von Beispielen diskutiert. Eine wertvolle Grundlage für die fachliche Diskussion spielten dabei auch die Ergebnisse einer ersten an der Universitätsklinik Gießen durchgeführten Studie, nach der die Anzahl der Selbsthilfegruppen aus diesem Themenspektrum auf rund 5.000 geschätzt wird.
Moderation: Jürgen Matzat, Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Gießen
Welche Angebote und Hilfestellung die Selbsthilfe psychisch kranken Menschen und ihren Angehörigen machen kann und welche Rolle Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung wie Kliniken und Beratungsstellen dabei spielen können, wurde in der Arbeitsgruppe anhand von Beispielen diskutiert. Eine wertvolle Grundlage für die fachliche Diskussion spielten dabei auch die Ergebnisse einer ersten an der Universitätsklinik Gießen durchgeführten Studie, nach der die Anzahl der Selbsthilfegruppen aus diesem Themenspektrum auf rund 5.000 geschätzt wird.
AG 4: Zur Bedeutung von Selbsthilfe in Rehabilitation und Nachsorge
Moderation: Petra Otto, Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland, Saarbrücken
Noch immer ist die Bedeutung der Selbsthilfe für die Rehabilitation vorrangig durch den Begriff "Ergänzung" geprägt. Die Aktivitäten der Selbsthilfegruppen ergänzen die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation insbesondere, aber nicht nur, im Bereich der Nachsorge.
In der Arbeitsgruppe wurden Ansätze vorgestellt und diskutiert, die auch weitere Funktionen der Selbsthilfe für die Rehabilitation wie zum Beispiel Information Betroffener über Rehabilitation, Beratung in der Reha-Klinik und Co-Therapie innerhalb der Patientenschulung verdeutlichten.
Moderation: Petra Otto, Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland, Saarbrücken
Noch immer ist die Bedeutung der Selbsthilfe für die Rehabilitation vorrangig durch den Begriff "Ergänzung" geprägt. Die Aktivitäten der Selbsthilfegruppen ergänzen die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation insbesondere, aber nicht nur, im Bereich der Nachsorge.
In der Arbeitsgruppe wurden Ansätze vorgestellt und diskutiert, die auch weitere Funktionen der Selbsthilfe für die Rehabilitation wie zum Beispiel Information Betroffener über Rehabilitation, Beratung in der Reha-Klinik und Co-Therapie innerhalb der Patientenschulung verdeutlichten.
OPEN SPACE
... ist eine Konferenzmethode für große Gruppen. Vorgegeben waren organisatorischer Rahmen und zeitliche Struktur. Zehn Arbeitsgruppen bearbeiteten nach dem Prinzip der Selbstorganisation in Kleingruppen die Themen, die ihnen "unter den Nägel brannten" wie "Umgang mit schwierigen Klienten", "Hilf-dir-Duden – Ein Kunstprojekt in der Selbsthilfe" oder "Vision: Zukunft versus Rückschritt in der Selbsthilfe". Die Weiterarbeit an Einzelaspekten des Vormittagsthemas oder die Beschäftigung mit neuen und eigenen Fragen, alles das war möglich und stieß auf viel Interesse. Inhalte und Ergebnisse wurden selbst verantwortet.
... ist eine Konferenzmethode für große Gruppen. Vorgegeben waren organisatorischer Rahmen und zeitliche Struktur. Zehn Arbeitsgruppen bearbeiteten nach dem Prinzip der Selbstorganisation in Kleingruppen die Themen, die ihnen "unter den Nägel brannten" wie "Umgang mit schwierigen Klienten", "Hilf-dir-Duden – Ein Kunstprojekt in der Selbsthilfe" oder "Vision: Zukunft versus Rückschritt in der Selbsthilfe". Die Weiterarbeit an Einzelaspekten des Vormittagsthemas oder die Beschäftigung mit neuen und eigenen Fragen, alles das war möglich und stieß auf viel Interesse. Inhalte und Ergebnisse wurden selbst verantwortet.
Tag 3: Fachbeiträge am Abschlusstag
Der Hauptreferent des dritten Tages war Prof. Heinz Lohmann, LOHMANN konzept Hamburg (ehemals Vorstand LBK Hamburg).
Prof. Lohmann hielt einen Vortrag zum Thema Patienten im Krankenhaus – Markenmedizin, Kundenorientierung und Versorgungsqualität, der ein ambivalentes Publikum hinterließ: Soll sich die Selbsthilfe auf marktwirtschaftliche Mechanismen als Taktgeber ihres Engagements und ihrer Arbeit einlassen? Oder soll, nein muss sie sogar gegenhalten?
Der Hauptreferent des dritten Tages war Prof. Heinz Lohmann, LOHMANN konzept Hamburg (ehemals Vorstand LBK Hamburg).
Prof. Lohmann hielt einen Vortrag zum Thema Patienten im Krankenhaus – Markenmedizin, Kundenorientierung und Versorgungsqualität, der ein ambivalentes Publikum hinterließ: Soll sich die Selbsthilfe auf marktwirtschaftliche Mechanismen als Taktgeber ihres Engagements und ihrer Arbeit einlassen? Oder soll, nein muss sie sogar gegenhalten?
Podiumsdiskussion: Die Bedeutung der Selbsthilfe als Kooperationspartner im Gesundheitswesen
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation von Ilse Rapp (Bad Kreuznach, Vorstandsmitglied der DAG SHG) diskutierten Dr. Ute Winkler (Abt. Selbsthilfeförderung im Bundesgesundheitsministerium), Dr. Marlies Volkmer (Mitglied des Gesundheitsausschusses der SPD-Fraktion), Luzia Ehrhardt-Beer (zuständig für Selbsthilfeförderung bei der AOK Baden-Württemberg) und Ursula Helms von der NAKOS über die Chancen aber auch sich ergebenden Bedarfe der zunehmenden Einbindung der Selbsthilfe als Kooperationspartner im Gesundheitswesen.
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation von Ilse Rapp (Bad Kreuznach, Vorstandsmitglied der DAG SHG) diskutierten Dr. Ute Winkler (Abt. Selbsthilfeförderung im Bundesgesundheitsministerium), Dr. Marlies Volkmer (Mitglied des Gesundheitsausschusses der SPD-Fraktion), Luzia Ehrhardt-Beer (zuständig für Selbsthilfeförderung bei der AOK Baden-Württemberg) und Ursula Helms von der NAKOS über die Chancen aber auch sich ergebenden Bedarfe der zunehmenden Einbindung der Selbsthilfe als Kooperationspartner im Gesundheitswesen.
Die Tagung wurde in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen Baden-Württemberg (LAG KISS) durchgeführt und vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS), dem Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg, der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und der AOK Baden-Württemberg gefördert.
Weiterführende Informationen:
Vom 22. bis 24. Mai 2006 treffen sich über 100 bundesweit tätige Fachleute aus unterschiedlichen Sparten des Gesundheitswesens in Mannheim. Ihr Thema ist die Zusammenarbeit von Krankenhäusern, Rehakliniken und Selbsthilfegruppen.
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Letzte Änderung: 09.09.2010


